Um dem neugierigen Laien, der sich für alternative Heilmethoden interessiert (wie Sie, lieber Leser, die Sie diese Seite angeklickt haben), die Craniosacraltherapie, die ursprünglich als Teilbereich der Osteopathie aus dieser hervorgegangen ist, zu erläutern, werden meist kurz und knapp formulierte Sätze wie der folgende präsentiert:

„Die Craniosacraltherapie ist eine sanfte manuelle Form der Körperarbeit, die ganzheitlich auch die seelischen und geistigen Dimensionen einschließt.“

Was bedeutet diese Aussage eigentlich?

Ich werde versuchen, Ihnen das Heilprinzip mit möglichst wenigen Worten nahezubringen:

Der craniale Rhythmus entsteht durch die Produktion und Absorption der Hirnflüssigkeit. Er ist neben Atem und Herzschlag der dritte Grundrhythmus des Körpers, der als der eigentliche Grundpuls des Menschen gesehen werden kann, denn bis zu dreißig Minuten nach dem Tod ist die craniale Welle noch spürbar. Dieser Rhythmus verlangt vom Behandler eine ruhige, beobachtende, meditative Haltung, denn sonst ist er nicht fühlbar. Es ist die „leise Stimme des Geistes“ (HUGH MILNE, 1999), die dem Therapeuten und Patienten zeigt, was Körper, Geist und Seele benötigen. Aus dieser Grundhaltung heraus ist es möglich zu erspüren, welche Veränderungen der cranialen Welle in Bereichen des Körpers, die Fehlfunktionen aufweisen, sich offenbaren. Durch Beobachtung von Frequenz, Geschwindigkeit, Kraft und Seitendifferenzen wird dem sensiblen Behandler deutlich, wie sich die „Krankheit“ als veränderte craniale Welle ausprägt.

Hier kommt eine weitere wichtige Grundregel ans Licht, welche die Craniosacraltherapie kennzeichnet:

Anstatt willentlich die Fehlfunktion in die „richtige“ Lage zu repositionieren, wird stattdessen mit dem Gewebe in die Richtung der Dysfunktion „gegangen“, diese Lage (aus-)gehalten, um dem Körper so die Möglichkeit zu geben, sich von selbst aus dieser Position zu lösen und sich so in die „gesunde“ Lage zu begeben. Dahinter steht die Haltung des Craniotherapeuten, die Hinweise des „kranken“, aus dem Gleichgewicht geratenen Körper-Geist-Systems ernst zu nehmen, die Fehlfunktion „anzunehmen“, indem man in die Seite der Dysfunktion „mitgeht“, sie „aushält“, um so die systemeigene Selbstheilungskraft zu aktivieren. Der Therapeut wird auf diese Weise dem Patienten „ähnlich“, ein Prinzip, mit dem auch die Homöopathie seit über zwei Jahrhunderten erfolgreich heilt.

Fehlfunktionen werden dem Behandler u.a. deutlich, weil aus dem Erfahrungsschatz der craniosacralen Therapie erarbeitet werden konnte, welche spezifischen Bewegungsmuster die Körperstrukturen, insbesondere die Schädelknochen (Cranium) und das Kreuzbein (Sacrum), aufweisen.

An dieser Stelle noch besondere Anwendungsgebiete, „bewährte Indikationen“, zu nennen, wäre eine Einschränkung, denn ich hoffe, dass deutlich geworden ist, das die Craniosacraltherapie bei allen Krankheiten des Körper-Seele-Geist-Systems seine therapeutische Einsatzmöglichkeiten bereit hält und eine Chance auf Heilung auf einer tiefen Ebene ermöglichen kann.

Literaturhinweise: (viele gute, interessante Publikationen, von denen ich nur zwei nenne, bei denen ich mich besonders bedanken möchte):

Hugh Milne, Aus der Mitte des Herzens lauschen.
Eine visionäre Annäherung an die Cranisacralarbeit. 1. Auflage, Petersberg 1999.

Daniel Agustoni: Craniosacral Rhythmus.
Praxisbuch zu einer sanften Körpertherapie. München 1999.